Uncategorized

Morgensalon mit Christoph Quarch, 6.4.18 (in German)

Kaum zusammenzufassen dieser magische Morgen! Christoph Quarch, promovierter Philosoph, Redner, Berater und Autor von fast 50 Büchern, teilte seine philosophisches Gedankengut in diesem picke packe vollen Morgensalon mit 30 Leuten, zu den 3 Dingen, von denen er überzeugt ist, die die Welt nachhaltig verändern können:

  1. Das Denken: und zwar das wirklich tief gehende Denken; also auch jenes, das den eigenen unterbewussten Autopiloten hinterfragt, denn der bewertet und interpretiert auch unsere Gefühle; Das Denken, das mehr Fragen als Antworten hat. Dieses Denken beinhaltet den „leider“ anstrengenden Teil die gewohnten Bahnen des Denkens zu überwinden, den eigenen Werte-Kanon in Frage zu stellen und mich selbst in Frage stellen zu lassen um wirklich zu eigen zu sein (eigen-tl-ich). Sich durch Neugierde leiten zu lassen und dadurch auch offener für inhaltlich unsicheres Terrain zu werden.
  2. Das Sprechen: im Sinne des Dialogs (Logos, gr. ‚Wort’/’Sinn‘ oder ‚Ratio‘ im weitesten Sinne). An-sprech-bar und empfänglich zu sein uns immer wieder auf Neues einzulassen im Gespräch, lässt den Geist (als ersten Schritt vor dem Handeln) offener und elastischer werden zu ändern.
    Ein wirkliches, urteilsfreies Gespräch erklärt Christoph, bereitet für den Geist nur ein gehaltvolles Gefäß, wenn 3 Dinge vorherrschen:
    a) Hören – und zwar wirklich, was gesagt wird. Zu Oft neigen wir dazu, wenn andere etwas sagen, das heraus zu filtern, was uns selbst geläufig ist, und lehnen so das Fremde/Andersartige unterbewußt ab. Aber nur das „Andere“, was mich befremdet, eröffnet Raum für Neues. Ein besonders schönes Zitat aus Christoph’s Vortrag bei diesem Punkt war: „Denen denen wir zuhören, sind wir auch zugehörig“… und Zugehörigkeit ist uns ja allen wichtig.
    b) Antworten – eine Ver-antwort-ung zu geben und zu sein; Denn „Der Mensch wird am Du zum Ich.“ (Martin Buber), und dafür muss man Antwort geben, weiterhin offen im Kopf und im Herz.
    c) Wille zur Verständigung – eine Grund-Motivation in einem Gespräch zu haben, dass der „Horizont Verschmelzung“ gilt, was im Zweifel auch in einem „We agree to disagree“ auf Augenhöhe enden kann, aber eben seine Quelle nicht das Recht haben sondern die Verständigung ist.’Das alles ist aber so schrecklich anstrengend im Alltag umzusetzen‘ war eine Rückmeldung… in der Tat, das ist es. Christoph erklärte, warum unser unterbewußter Autopilot uns so oft davon abhält unbequem zu werden und den eben anstrengenderen Weg zu gehen: Zum Einen, weil wir als Gesellschaft aufgrund der hohen Konzentration auf materialistischen Wohlstand, die Egozentrik täglich bedienen & schüren; Zum Anderen, weil unsere Welt der Homo Oeconomicus (lat. „Wirtschaftsmensch“ / „rationaler Agent“), also das Denken nach reinen Effizienz-Gesichtspunkten, jegliches Denken & Handeln beherrscht. Anstatt in Verbindung zu leben und sich daraus offen be-lehren zu lassen genauso als Lebens-Mittel zu begreifen.
  3. Das Lieben: Auch wegen der hohen Anstrengung ist das Lieben so wichtig! Denn Christoph versteht die Liebe als den Eros, der nicht durch Wille gelenkt werden kann, sondern ein Funke der im Gespräch, in der Verbundenheit überspringt, wenn man bereit ist, sich aufeinander einzulassen; und vor allem, der Be-Geist-erung hervorruft. Denn nur mit Begeisterung („Lieben ist Handeln im Geist“) kann wirklich transformativ Neues entstehen. Deshalb rief er abschließend dazu auf, immer wieder mutig und offen einen Raum zu öffnen das eigene, festgefahrene Denken in Frage zu stellen, sich auf wirklich, urteilsfreie Gespräche einzulassen und der Begeisterung im Handeln zu folgen.

Mit einem wunderschönen Gedicht von Friedrich Hölderlin gab Christoph, unserer Diskussion die bereits voll im Gange war, seinen finalen Impuls:


Ermunterung

Echo des Himmels! heiliges Herz! warum,
Warum verstummst du unter den Lebenden,
Schläfst, freies! von den Götterlosen
Ewig hinab in die Nacht verwiesen?

Wacht denn, wie vormals, nimmer des Aethers Licht?
Und blüht die alte Mutter, die Erde nicht?
Und übt der Geist nicht da und dort, nicht
Lächelnd die Liebe das Recht noch immer?

Nur du nicht mehr! doch mahnen die Himmlischen,
Und stillebildend weht, wie ein kahl Gefild,
Der Othem der Natur dich an, der
Alleserheiternde, seelenvolle.

O Hoffnung! bald, bald singen die Haine nicht
Des Lebens Lob allein, denn es ist die Zeit,
Daß aus der Menschen Munde sie, die
Schönere Seele, sich neuverkündet,

Dann liebender im Bunde mit Sterblichen
Das Element sich bildet, und dann erst reich,
Bei frommer Kinder Dank, der Erde
Brust, die unendliche, sich entfaltet

Und unsre Tage wieder, wie Blumen, sind,
Wo sie, des Himmels Sonne, sich ausgeteilt
Im stillen Wechsel sieht und wieder
Froh in den Frohen das Licht sich findet,

Und er, der sprachlos waltet und unbekannt
Zukünftiges bereitet, der Gott, der Geist
Im Menschenwort, am schönen Tage
Kommenden Jahren, wie einst, sich ausspricht.

Danke Christoph für deinen Impuls dein philosophisches Gedankengut in dieser Länge und Offenheit mit uns zu teilen und viele kleinen Samen gesäht zu haben.
www.christophquarch.de

Leave a Reply