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Morgensalon mit Philip Oprong Spenner, 6.7.18

Ein Morgensalon der unter die Haut ging und der kaum in Worte zu fassen ist… Philip Spring Spenner begann damit zu beschreiben, wie vielschichtig das Wort “Flucht” sein kann, dass es nicht nur Flüchten im aussen, sondern auch im innen gibt.

Er begann aus der Stelle seines Buches zu lesen, als er 9.5 Jahre alt war und aus er sich Hölle des Straßenkind Daseins in Kenia durch einen Sprung von Klippen erlösen wollte. Just in diesem Moment “störten” ihn drei Männer und er sprang nicht. Die Beschreibung seiner letzten Gedanken und seines Lebens auf der Straße, der “Schande” der Gesellschaft und ständig auf der Flucht vor der Polizei, ließen die ein oder andere Träne fließen… Aber schon im Vorgespräch sagte mir Philip, dass er nicht kommen würde um die Leute traurig oder mitleidig zu machen, sondern sie mit einem Lächeln und Zuversicht zu verlassen.

Anhand vieler Anekdoten seines Lebenswegs in Kenia (wo heute immer noch >60% der Kinder auf keine weiterführende Schule gehen!) und seinem Neustart in Deutschland vor 18 Jahren, teilte er was ihn zuversichtlich, vertrauensvoll, engagiert durchs Leben gehen lässt und dabei seine eigene Selbstfürsorge nicht aus dem Auge verliert.

Darunter waren unter anderem folgende Gedanken:

  • Bildung war und ist der Schlüssel und die nachhaltigste Hilfe zur Selbsthilfe. Dabei meinte er nicht nur die akademische Vermittlung die in Bildung passiert, sondern auch die Aufklärung und das Erleben von Miteinander, Umwelt, das Empfinden zu etwas fähig zu sein und das ins größere einzuordnen – das systematische Denken (im Gegensatz zum “Auge um Auge, Zahn um Zahn” Mentalität, die so oft zu unreflektierten Gewalthandlungen führen kann)
  • Begegnungen, die nachhaltig prägen, wenn auch ganz kleine, können solche Geschenke sein und den Glauben, das Vertrauen in etwas höheres und etwas Gutes stärker werden lassen…
  • Genauso wie für Philip die Geschichten der Bibel (das einzige Buch, mit dem er lesen gelernt hat) haben einen so stark symbolischen Charakter, dass Kraft und Glaube in das Bessere weckt – selbst wenn man es nie selbst erlebt hat. Selbst in den schlimmsten Situationen gab es da ein Gefühl “in mir ist ein König” und “ich bin auf einem Weg”
  • Das subjektive Empfinden von Glück und Not, hat immer seine Berechtigung. Das pure Glück eines Menschen auf dem einen Ende der Welt in ein Stück Brot zu beißen, und auf der anderen Ende der Welt mit zb. Irgendeinem technischen Gadget zu spielen, ist nicht verschieden und braucht keine Bewertung – auch wenn es objektiv betrachtet irrsinnig ist. Aber Empfinden ist subjektiv, und genauso sollten wir Menschen begegnen, da wo sie sind und mehr zu sehen als nur eine Situation…
  • …Gleichzeitig kann das Wissen / der Kontext über Herausforderungen anderer und der Welt, helfen mit dem eigenen Leben anders umzugehen / es anders zu bewerten – aber der erhobene Moralfinger oder gar die Konfrontation mit schlechtem Gewissen führt zu nichts, ausser dass man sich schuldig fühlt.

Es wurde auch viel gelacht auf diesem Morgen voller Wert und Kost, zb. Als Philip erzählte wie er seine ersten Spaziergänge alleine durch Hamburg meisterte und erstaunt war wie lange und mit wievielen Kurven die “Einbahnstraße” verlief; oder, wie er nach seinem ersten Intensiv Deutschkurs, der sehr auf Göthe, Schiller und Konsorten basierte, anfänglich Leute mit Ausdrücken wie “Verweile doch!” Oder “Gräme dich nicht” überraschte.Morgensalon

Ich glaube so viel Tränen und Demut für das Leben saßen noch bei keinem Morgensalon mit am Tisch. Es war ein so inspirierender Start in den Tag mit solch Tiefgang für jeden ganz persönlich und kollektiv.

Danke lieber Philip für deinen Beitrag, danke für dein Engagement, danke, dass du Menschen so wahrhaftig mit dir und deiner Geschichte begegnest, danke für deinen Einsatz als Lehrer in Hamburg und danke für deinen großartigen Grassroot Verein Kandui Children e.V. der mittlerweile 220 Kinder in Kenia in Würde leben, zur Schule gehen und Beiträger zur Gesellschaft vor Ort werden lässt!

https://www.kanduyi-children.org/

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