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Neuroscience behind Mindfulness – Morgensalon mit Karolien Notebaert, 19.1.18

Wie oft startet man den Tag um 8 Uhr mit einer Neurowissenschaftlerin am Tisch? Gähn? Weit gefehlt! Karolien Notebaert, PhD in Neuroscience, Master in Volkswirtschaft, Inhaber einer Beratungsfirma, Bestseller Autorin und Mutter, schaffte es an diesem Freitagmorgen den mehr als ausgebuchten Morgensalon nachhaltig zu begeistern!

Die Details ihres Vortrags zusammenzufassen scheint mir fast unmöglich, ich versuche es trotzdem. Voran gestellt sei aber, dass Karolien’s eigene Begeisterung für das Thema, das grundsätzliche Hinterfragen des Status Quo und allen voran ihre Key Message: Mindfulness einfach immer und immer wieder zu praktizieren, 100% auf alle überschwappte.

Karolien selbst war eigentlich kein „spiritueller“ Mensch, sondern Wissenschaftlerin durch und durch. Was sie dabei vor allem reizt/e, war zu verstehen, wann unser Gehirn Bestleistung bringen und sein ganzes Potenzial ausschöpfen kann. Mit einer kleinen Übung startend, machte sie uns allen die spontane Aktivität unseres Gehirns deutlich (und wie einfach es zu manipulieren ist) und erklärte, dass diese vielen verschiedenen Aktivitäten in Netzwerken organisiert sind, dessen Summe daraus das sog. Default Mode Network ergibt. Unser Default oder Autopilot eben, der zu >90% unterbewusst abläuft und auf der Summe unserer Erfahrungen basiert.

Von Karolien’s Ausgangspunkt kommend, wie das Gehirn seine höchste Leistung erreicht, teilte sie erstmal für uns ihre sehr eingängige Definition von Leistung: Leistung = Potenzial minus innere Störungen. Innere Störungen stehen symbolisch für alles, was subjektiv empfunden Stress in uns erzeugt, also zb Nervosität, negative Gedanken, Sorgen usw.

Wenn also die allermeisten unserer Handlungen und Reaktionen auf das Leben, vom Default gesteuert werden, und währenddessen auch noch „innere Störungen“ ablaufen, welches kann dann der Hebel sein, um unsere Leistung zu steigern? Karolien’s Forschungen zufolge, eindeutig die Selbstregulation. Und zwar als solches zu verstehen, dass wir mehr Entscheidungsfreiheit über unsere Reaktionen gewinnen, bevor unser Default Netzwerk mit seinen gewohnten (jeder hat das ein anderes Repertoire an Dingen) zuschlägt.

Ach, am Morgen selbst konnte jeder Karolien so wunderschön ihren Erklärungen zu Amygdala, Präfrontaler Cortex folgen… Amygdala feuert bei subjektiv empfundenen Stress und wird immer vom Default Netzwerk gesteuert. Im Gegensatz zum Präfrontalen Cortex (PFC), den man für wohl überlegte Entscheidungen braucht. An einem großartigen, ganz lebensnahen Beispiel, machte Karolien uns aber deutlich, dass der PFC allerdings nur eine maximale Kapazität pro Tag hat – die gut und gerne schon mal um 10 Uhr morgens aufgebraucht sein kann, bei entspr. Belastung (kreischende Kinder, leerer Magen, Müdigkeit, Stau, nörgelnde Kollegen et al).

Die einzige Möglichkeit das Default Netzwerk kurzzeitig auszuschalten und einen potentiellen Raum der Entsceidungsfreiheit zu treten, ist durch Aktivierung des Direct Experience Networks. Sie können beide nie gleichzeitig aktiv sein. Wie der Name schon sagt, geht es bei dem Netzwerk um eine direkte, unmittelbare Erfahrung. Und hier kommt Mindfulness ins Spiel. Durch das Praktizieren von Meditation und Achtsamkeit über die Aktivierung über unsere Sinne, üben und erlernen wir uns selbst zu regulieren – und dadurch mehr so handeln zu können, wie wir es eigentlich und bewusst möchten.
Aus neurologischer Sicht, so Karolien, verändert sich im Gehirn wirklich nur etwas wenn zweierlei Dinge im Hinblick auf Meditation / Achtsamkeit gemacht werden: (1) regelmäßig üben / trainieren; (2) die Aktivierung der Sinne nutzen. Dass sich PFC dadurch auf Dauer nicht mehr so schnell aus der Ruhe bringt, und Amygdala, also unsere Quelle des Stress, auf Dauer sogar physisch schrumpfen kann (durch die neu geschaffenen Verbindungen), war ein mehr als gehaltvoller Abschluss.

Die Diskussionen und Gespräche danach waren großartig: wir klärten, dass es selbstverständlich ok sei, sich auch mal aufzuregen und Ego air-time braucht, dass man es aber mit mehr Entscheidungsfreiheit zum unterbewußten Default machen kann. Dass es zwar keine allgemein gültigen „gehirngerechten Umstände“ in dem Sinn gibt, aber Multitasking nicht gerade förderlich ist, sowie mangelnde Wertschätzung (wie interessant, schaut man auf unsere ganze Gesellschaft!). Und, dass „leider“ auch gewisse Arbeit dazu gehört: Selbstdisziplin und Reflexion. Gerade letzteres ist manchmal schwer und kann unbequem werden, lohnt aber besonders, um überhaupt mal den Unterschied zwischen dem eigenen und einem möglichen eingeredeten Default zu erkennen.

Satt in Bauch, Hirn und Herz starteten alle 28 Teilnehmer dieses ersten Morgensalon in den Tag, das Wochenende und das Jahr!

Danke Karolien fürs Teilen deines Wissens, deiner Mission und deiner Begeisterung!
www.notebaert-consulting.com

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